<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<marc:record xmlns:marc="http://www.loc.gov/MARC21/slim">
   <marc:leader>00000nam a2200000 a 4500</marc:leader>
   <marc:datafield ind1="1" ind2=" " tag="100">
      <marc:subfield code="a">Kögl, Gabriele</marc:subfield>
      <marc:subfield code="4">aut</marc:subfield>
      <marc:subfield code="e">Verfasser/-in</marc:subfield>
   </marc:datafield>
   <marc:datafield ind1="0" ind2="0" tag="245">
      <marc:subfield code="a">Auf Fett Sieben</marc:subfield>
   </marc:datafield>
   <marc:datafield ind1="0" ind2="0" tag="245">
      <marc:subfield code="b">Roman</marc:subfield>
   </marc:datafield>
   <marc:datafield ind1="0" ind2="0" tag="245">
      <marc:subfield code="c">Gabriele Kögl</marc:subfield>
   </marc:datafield>
   <marc:datafield ind1=" " ind2="1" tag="264">
      <marc:subfield code="a">Göttingen</marc:subfield>
      <marc:subfield code="b">Wallstein-Verl.</marc:subfield>
      <marc:subfield code="c">2013</marc:subfield>
   </marc:datafield>
   <marc:datafield ind1="1" ind2=" " tag="520">
      <marc:subfield code="a">Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); #Autor: Michael Wildauer; #Erwachsenwerden im Facebook-Zeitalter. (DR)#Iphigenie hat unter ihrem Namen und ihren Beziehungsproblemen zu leiden. Ihre geschiedenen Eltern spielt sie gegeneinander aus, sexuelles Wissen holt sie sich von Internetpornos und stöckelt auf Sieben-Zentimeter-Absätzen coolen Burschen nach (falls jemand den Buchtitel verstehen will). Eine ganz normale Jugendliche von heute erzählt von Alltagsproblemen in ihrer Clique, dem ersten Mal und über eigene und andere Eltern. Am Ende weiten sich die Probleme zur Katastrophe aus, doch Phigie kann nichts dafür, sie ist nur die Erzählerin.#Die mehrfach ausgezeichnete, aus Graz stammende Autorin liefert einen erstaunlichen Roman. Ausdrücke aus dem Jugendjargon des gesamten deutschsprachigen Raumes sind in dem Text verdichtet. Das SMS-Deutsch ohne Hilfszeitwörter (bekannt aus der Werbung: "So muss Technik") wird vorangetrieben, weil ja nur alte Leute SMSen oder mailen, die Jugend twittert. Also fallen auch Modalverben und manchmal das eigentliche Verb weg.#Die allerorts bejammerte Spracharmut und -verstümmelung wird ins Gegenteil verkehrt, ein ungeheures Tempo und ein unglaublicher Wortschatz brechen über die LeserInnen herein. So spricht kein Mensch; es macht Spaß, das zu lesen, aber man muss sich konzentrieren. Oder wie Phigie schreiben würde: Intelligenzallergiker und Teilzeitdenker bekommen die Stornokarte. Der Roman gehört daher nicht in die Jugendabteilung zu den "Problembüchern", er ist eher eine literarische Überhöhung des Genres.## ---- #Quelle: Literatur und Kritik; #Autor: Bernhard Sandbichler; #Auf Fett Sieben#Gabriele Kögl schreibt einen Teenager-Roman für Erwachsene#Es ist noch nicht lange her, dass Buchhandel und Bibliotheken ein Rayon für ein neues Genre einrichteten: die Graphic Novel. Die Verlage produzieren Titel entweder direkt oder indirekt, indem Bestehendes im neuen Outfit erscheint. Bernhards Alte Meis­ter kann man also in der Version des mit dem Max-und-Moritz-Preis ausgezeichneten Nicolas Mahler wieder lesen, Marcel Beyers Flughunde in jener der mit dem Comic-Oscar ausgezeichneten Ulli Lust. Bei Suhrkamp freut man sich, dass den Hausautoren so neben dem Hörbuch eine neue Verwertungsart zugewachsen ist.#Gabriele Kögls Romanheldin Phigie kann man sich sehr gut als Protagonistin einer Graphic Novel vorstellen. Die 16-Jährige hat etwas von der schlaksigen Munter- und Traurigkeit einer Marjane Satrapi in Persepolis. Die in Paris lebende iranische Autorin und Filmemacherin hat ihren autobiografischen Stoff bekanntlich auch noch in einem umwerfenden Comic-Film verwertet - eine weitere Präsentationsform, die man Kögls Roman wünschen möchte, damit er viel Publikum erreicht.#Dies ist vorläufig aber reine Ima­gination. Noch ist die Graphic Novel zu wenig etabliert, noch schreibt Gabriele Kögl andere Filmdrehbücher. Ihr Roman ist ein Buch, das im Rayon E-Literatur zu liegen oder stehen kommt. Wohl eher zu stehen, denn liegende Stapelware ist es nicht. Zwar handelt es sich um Kögls vierten Roman, aber diese Autorin, Jahrgang 1960, schreibt sich ja auch nicht in die nun doch schon lange Tradition feuilleton-beliebter popliterarischer Fräulein-Wunder von Alexa Henning von Lange bis Helene Hegemann ein. "Päderastie für Intellektuelle" sei diese trendige Romanproduktion, findet Phigie, deren Mutter sich diese "Frischfleischliteratur" zu Gemüte führt, eine Kulturkritikerin, die aussieht "wie ein Wollschwein, das sich in eine Wohnung verirrt und dort Bücher frisst statt Gras". Ihre Mutter meint: "Wer wird schon dafür bezahlt, dass er ins Theater geht oder Bücher liest?" Und Phigie: "Also ich wüsste da noch jemanden, den sie bezahlen müssten dafür." Bücher, das sind für Phigie ganz allgemein "Streberburgziegel"; sie ist mehr Serienjunkie, hängt endlos vor "How I Met Your Mother" ab. Nicht ganz ironiefreie Autoanalyse: "Ich konnte sowieso besser glotzen als lesen. Dafür hatte ich eine endlose Konzentrationsfähigkeit."#Was ist von diesem Gör zu halten, das sich sein rotziges Leben zwischen seiner alternativen Kulturmutter und seinem sexuell und beruflich pervertierten Börsenmakler-Vater eingerichtet hat? Einem Kind der Generation Porno, das degoutante Pornhub- und schräge Facebook-Erfahrungen sammelt? Gabriele Kögl hat viel daraus gemacht, aus diesem Leben, "gefreckt von zehn Monaten Gehirnleistungsüberanstrengungsanstalt". Sie lässt Phigie ein turbulentes Schuljahr erzählen, das man zeitlich zwischen Philipp Stölzls Goethe!-Spielfilm, Mitte Oktober 2010, und "Amy Winehouse, die es auch gerade frisch erwischt" hat, also Sommer 2011, situieren kann. In Phigies Schülerleben spielt Literatur nämlich gezwungenermaßen eine Rolle, die Ringparabel, Frühlingserwachen, Montauk, und eben auch der Werther, den "man sich lesemäßig spart, weil man ins Kino geht". Faust wird auch durchgenommen, und wir verdanken Phigie hier wie auch sonst Inhaltsangaben dieser Werke mit generationstypischem Zugriff: "Wenn ich mir vorstelle, dass so ein Teufel heute zu einem Grabverweigerer kommt und ihm was anbietet für seine alte Seele, dann hätte dieser alte Millimeterficker keinen anderen Wunsch, als in einen Östrogen-Weiher hineinzujumpen. Ich meine, der alte Faust war doch ein richtiger Brockhaus, der war doch keine Evolutionsbremse oder so, der hatte doch einen saftigen Kürbis, mit dem er an allem möglichen herumstudiert. Der konnte sich doch nichts anderes gewünscht haben, als im Beamtempo in ein Schnellfickloch einzuparken und Gretes Supporterin und ihrem Bro zu einer schnellen Kistenparty zu verhelfen?"#Wen wundert's, dass etwas so "Hingemeißeltes" nicht nach dem Geschmack des Deutschlehrers ist? "Also setzten wir uns hamsterhart hin und wikipedierten eine Bildungsvermittlungsanstaltsversion. Dann copypasten und guttenbergten wir den Wisch mit ein paar persönlichen Einfügungen. War ja keine Doktorarbeit und meine zukünftige Matura würden sie mir deshalb wohl auch nicht canceln." Hier schreibt eine Wiener Gymna­siastin, die bei aller Verachtung für die alte Institution Gymnasium ein gewisses Standesbewusstsein gegenüber den "Grundschulmaturanten in der Proletenraupe" (alias U-Bahn) vertritt. Mit allen Namen heißt sie übrigens Iphigenie Elektra Persephone und sitzt schon einmal in einer Aufführung von Antigone. "Und plötzlich", gesteht sie, "hätt ich losheulen, als Antigone sagte: Verlassen so von aller Liebe, geh ich/Lebendig in die Grabesgruft der Toten". Gefühle gibt es nämlich doch, starke Gefühle, Liebe, Angst, Zweifel, und die Literatur erweckt sie: "So gefreckt fühlte ich mich auch, so ganz ohne Frankie, der einfach auf Merve und nicht auf mich. Ich war ganz ohne Hoffnung, dass irgendwer da draußen auf mich." Ja, um die Liebe geht es natürlich, eine Nacht, "nur umarmt", und um Un­sicherheit, "ob das alles normal bei mir", die so genannten Schamteile nämlich: verletzliche Zartheit hinter vorgeschützter Abgebrühtheit.#Bleiben wir bei der Literatur, aber kehren wir zurück zur zeitgenössischen. Was das Copypasten betrifft, befinden wir uns bereits in der Nähe von Hegemann und auch der Drive, den dieser kurze Roman von der ersten bis zur letzten Seite auftischt, steht der Szene-Literatur in nichts nach. Kögl lässt ihre Phigie einen extrem abgeschliffenen Slang voller Ellipsen und abgedrehter Neologismen sprechen, und es geht ihr dabei nicht ­darum, einen erwartbaren Realitäts­effekt oder Authentizität zu fabrizieren. Phiegi passt beim Lesen ja auf, weil "in ganzen Sätzen, das verhaut einem total die Sprache", ist eine "Gehirnwindungsorgie". Kögls Kunstfigur kultiviert einen artifiziellen Ton, und die Autorin und mit ihr der Leser entwickeln enorme Lust, dieses Spiel mitzumachen.#"Chillig, cremig, erdig, gammlig, grindig, gruftig, keimig, lolig, madig, (mega)ranzig, weltig, windig" - diese Auslese habe ich nur beispielhaft getroffen, aber es gibt viel davon, um das fette Leben auf sieben aufzupoppen, und es ist gut gemacht! Sowas wie geschmeidig, lebendig, süchtig, witzig gibt's natürlich auch, oder heftig - heftig wie das echte Leben, in dem Phigie ihren Vater, der einer ­"autoerotischen Asphyxie" erlegen ist, vom Boden auflesen muss. Eine durchaus harte Lektüre.</marc:subfield>
   </marc:datafield>
   <marc:datafield ind1=" " ind2=" " tag="020">
      <marc:subfield code="a">9783835312104</marc:subfield>
      <marc:subfield code="9">9783835312104</marc:subfield>
   </marc:datafield>
   <marc:datafield ind1=" " ind2=" " tag="041">
      <marc:subfield code="a">ger</marc:subfield>
   </marc:datafield>
   <marc:datafield ind1=" " ind2=" " tag="300">
      <marc:subfield code="a">191 S.</marc:subfield>
   </marc:datafield>
</marc:record>
