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      <marc:subfield code="a">Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); #Autor: Stefanie Preiner; #"Sein Leben war eine Baustelle, auf der schon lange nicht gearbeitet wurde." (DR)##Nach den beiden erfolgreichen Romanen über den schrulligen Herrn Faustini und der Stadtbeschreibung "Konstruktion einer Stadt" präsentiert Wolfgang Hermann einen Roman, der, eingepackt in viel Erotik, vom Verlieren und vom Wiederfinden des eigenen Ichs erzählt. Eine große Klammer verortet den Roman in der sommerlich-stillstehenden Hitze Zentraleuropas und bildet gleichzeitig den zeitlichen Rahmen, in dem der Protagonist, ein sich selbst bemitleidender Narzisst, eine Wandlung durchlebt.#Ziel- und perspektivlos lässt der Autor seinen Hauptcharakter Richard Marten durchs Leben stolpern. Ein verglühender Stern am Autorenhimmel, der nach einem erfolgreichen Roman nicht über die Hürde des wichtigen ersten Satzes für den Nachfolger kommt. Der von seiner Frau und dem Glück Verlassene, auf der untersten Stufe seiner Selbstachtung Angekommene wird plötzlich zum Empfänger von Briefen, die von zügelloser Erotik und sexueller Leidenschaft berichten und Richard eine neue Möglichkeit eröffnen.#Das Schreiben als unüberwindbares Hindernis, das Leben und Lieben beinahe unmöglich macht - Wolfgang Hermann entwirft eine vielversprechende Geschichte, die mit ihrem Fortschreiten leider etwas an Spannung und Schwung verliert.## ---- #Quelle: Literatur und Kritik; #Autor: Vasile V. Poenaru; #Die Gleichzeitigkeit von Gewinn und Verlust#Wolfgang Hermanns Roman "Mit dir ohne dich"##Wie spitzt einer den Bleistift, damit dann auch jeder Satz so wirklich sitzt? "Gerade die richtigen Maße" hat der "kleine abgenutzte Tisch", an dem es bis zuletzt offenbar doch noch mit dem Schreiben klappt. Ein Ende, dem man bei flüchtiger Lektüre des Romans Mit dir ohne dich gar nicht anmerkt, dass es bereits der längst ersehnte Neubeginn sein könnte; eine grüne Seite im Buch, das noch werden soll, im Leben, in der Liebe und im Sublimierungsvermögen des schriftststellerischen Handwerks gerade aus seiner Unbehaglichkeit, aus seiner Vermessenheit heraus. "Das nasse Gras von der Weide hinter dem Haus", "die erste Schneeluft des Jahres", "die ganze Welt in jedem Atemzug" versucht der angesichts seiner bettlägrigen Mutter irgendwie erneut im Beruf angekommene Autor Richard Marten da zu erfassen, zu erhaschen. An so einem häuslich anmutenden, nicht nur räumlich, aber eben auch räumlich passenden Tisch muss man sich nicht andauernd über das Andere, über die Andere (das heißt, die Frau, die der fiktive Autor nicht sucht, aber dennoch sozusagen wider Willen findet) auslassen, sondern darf auch mal seine eigene Innenwelt ausloten. Wenn es sich so fügt, stimmt jedes Wort, stimmt jeder Satz. Dann klingt der Text nach was. Dann wird einer leicht  zum "Shootingstar unter den Autoren", mehr noch, dann bleibt man es. Wenn nicht, dann eben nicht.#Wolfgang Hermanns Roman macht strenggenommen keine Spiegelgeschichte aus (vielleicht jedoch eine etwas entratene Liebesgeschichte), und die österreichische Literatur fängt nicht mit dessen Helden, dem sowohl privat als auch öffentlich zwischen Gnade und Ungnade hin und her gerissenen, am falschen Ort nach dem rechten Wort Ausschau haltenden Schriftsteller Richard Marten an, der sich die ihm unvermittelt bis ins kleinste, allzuvertrauliche Detail episodenhaft zugesandte Geschichte einer fremden Frau zu eigen macht, weil ihm nichts Besseres einfällt, dann schließlich davon ablässt und zu sich selbst findet - oder doch zu einem erweiterten Selbst, das seinen eigenen narrativen Spürsinn mit einschließt. Rückwärts gehen (wie etwa Handkes Don Juan im gleichnamigen Roman), das ist Wolfgang Hermann, dem bewanderten Fährtenleser und Meister an der oft vernachlässigten, ja verwahrlosten Baustelle des städtischen Lebensgefühls, aber wichtig, wenn er in Erfahrung bringt, wie, wann, wo (und vor allem natürlich auch mit wem) das literarische Schreiben anfängt - bzw. ob es auch ohne geht. Auf dem Umschlag: das halb und halb, aber eben doch nicht ganz verhüllte Gesicht einer Frau, die gerade noch erkennbaren Augen geschlossen, den Hals erwartungsvoll nach vorne gereckt. Erblickt der Leser das, dann will er was.#Die großen Themen Inspiration, Leben, Tod und Authentizität des literarischen Werkes schmuggelt Hermann mithilfe gängiger Wendungen und mal raffinierter, mal grober Züge in seinen Plot von der Dürftigeit und Hörigkeit eines Mannes (und im weitesten Sinne des Mannes an sich) hinein, der, in einer verhängnisvollen, unwahrscheinlichen und uneigentlichen Beziehung befangen, den Roman schreiben will. Richard Martens literarischer Werdegang steht im Zeichen der Frauen, im Zeichen der Frauenzeit, um wieder einmal an Handkes Don Juan anzulehnen. Seine Frau Gioia, die ihn einst zum Schreiben brachte, hat ihn verlassen. Die Unbekannte, Gloria, will das Buch ihres wüsten Liebeslebens unter Martens Namen veröffentlichen, und seine Verlegerin, Henriette, ist dummerweise nach der Lektüre der paar Fragmente, die ihr Marten auch tatsächlich als vermeintlich eigene Leistung zuschickt, ganz Feuer und Flamme für den Text, dessen Urheber in ihren Augen natürlich kein anderer als Marten ist. Weitere Frauen tauchen im Rahmen der durchaus bewegten Handlung wie zum besseren Verständnis der ausartenden Erscheinungsform Mann eher flüchtig auf und geleiten den Helden zum Teil fast automatisch zum Beischlaf und zu den "Handgriffen, die man in solchen Augenblicken tut".#Wolfgang Hermann versteht es, eine Serie von expliziten Berichten, die sein Held Marten eigentlich als "mieses, ungeschliffenes Zeug" empfindet, mit allem Anstand bürgerlich etablierter Literatur an die Öffentlichkeit zu bringen. Dass sein Buch da endet, wo das Schreiben, wo das Schreibenkönnen beginnt, hat mit dem Moment der Verhüllung im zwiespältigen Spiel der Bedeutungsproduktion und der Rezeption zu tun. Eine Reise durch "die Landschaft" des Gesichts seiner sterbenden Mutter wird angetreten, die das Spannungsfeld der Frauen sprengt, in deren Zeichen Richard Martens Schaffen, ja sein ganzes Leben zu stehen schien, und ihn zurück trägt in die unbescholtene Zeit der Kindheit und zu dem Gesang der Nachtigall, "die er sofort erkannte, ohne doch zu wissen, wie eine Nachtigall sang". Es ist eine Reise in seine innere Landschaft, in die wohlgemerkt auch Unbekannte hineinschauen können, wie Gloria, die ungestüme Exponentin der willkürlichen Sinnlichkeit in der Sprache, die sich in ihrer Textwelt und darüber hinaus stillschweigend oder eben brutal zuerst nur als "Schreibkraft" und dann zunehmend in allen Aspekten des Lebens dem ausgebrannten Autor Richard Marten aufzwingt, diesem entgegenhält.#An einem Buch schreiben, das es nichtgeben wird. Abschreiben. Umschreiben. Überarbeiten. Von anderen Gelebtes nehmen wollen, ohne es selbst erlebt zu haben. Angst. Unsicherheit. Verzweiflung. Und dann am Schluss die eine Gewissheit: "Es wird ein anderes Buch." In dervirtuellen Aufgehobenheit dieses "anderen" Buches wird der Trieb zum Schreiben (wie auch der Trieb zum Lesen) sublimiert.#Mit dir ohne dich: kein Komma; kein Entweder-Oder; keine Ausklammerung, sondern die Allgegenwärtigkeit, die Gleichzeitigkeit von Verlust und Gewinn in der schriftstellerischen Ausdrucksweise, in den menschlichen Beziehungen, die hierin nicht nur in ihrer schöpferisch geglückten Dimension bedacht wird, sondern auch in ihrer Unzulänglichkeit und vor allem auch in ihrer ausgesprochenen Misere.#Ein Verdacht erhärtet sich im Laufe des Versuchs einer Lektüre. Das Experiment, das die unbekannte, schreibende Leserin mit dem bekannten, lesenden Schriftsteller treibt, wird zugleich von diesem an uns, der Leserschaft, erprobt. Mit dir ohne dich schreiben: Plagiat? Entfesselung? Geliefertsein? Oder eine Symphonie der Sinne? Mitten im Buch steckt die verbraucherfreundlich codierte Antwort: "Ein einzelner Vogel tirilierte in den Tag. Ein zweiter improvisierte über die Melodie des ersten, übertrumpfte ihn an Feinheit. Ein dritter zwischerte dazwischen. () Schließlich hieß ein ganzer Chor den Tag willkommen."## ---- #Quelle: Pool Feuilleton; #Wie notwendig es ist, dass immer wieder neue Liebes- und Beziehungsgeschichten geschrieben werden, zeigt Wolfgang Hermann. Mit seinem Roman erzählt er von Illusionen, Kräften, Realitätsschüben und Auflösungen, wie es in dieser Form noch nie erzählt worden ist.#Allein schon der Titel "Mit dir ohne dich" ist ein philosophisches Meisterwerk, als Leser sinniert man schon wie verrückt, noch ehe man überhaupt eine Zeile gelesen hat. Das ist ja die Ideal-Formel von Beziehungen: man hat zwar jemanden in Liebschaft, hält aber vielleicht nur dessen Hülle in der der Umarmung, weil sich das Gegenüber schon längst aufgelöst hat.#Der Plot des Romans ist genial scharf und zielstrebig und ermöglich so dem Helden, überallhin auszugrasen. Richard Marten ist ein literarisches Wunderkind, in jungen Jahren hat er einen Mega-Seller hingeknallt und ist sogar wohlhabend geworden. Jetzt gibt es die obligate Schreibkrise, die mit Alkohol zugeknallt wird, gleichzeitig knallt die Frau die Türe zu und reicht die Scheidung ein.#In diese Urform eines Beziehungsabbruchs tauchen plötzlich seltsame Manuskriptproben auf, eine unbekannte Gloria schreibt geile Textproben, worin die Protagonisten ordentlich zum Sex schreiten. Das ermöglicht Richard Marten aber, seine eigene Sexlosigkeit zu reflektieren, er hört mit dem Trinken auf und erlebt eine neue Welt, die geprägt ist von riesiger Sehnsucht nach seiner verschwundenen Frau.#Während sich die Textproben zu einem gigantischen Romanprojekt entwickeln, das die Verlegerin geil und gierig erwartet, übernimmt Marten noch einmal die Regie des Handelns, das heißt für ihn, er muss seine Frau suchen.#In endlos verzwickten Passagen treibt der Held durch Vorstädte, fließt auf seinem eigenen Beobachtungsstrom durch die Gegend und landet schließlich in einem Tokyoter Hotel, wo seine Exfrau als Stewardess einer Luftlinie auf den Rückflug wartet. Es kommt zu Nähe und Entfernung in Gleichzeit, es ist eine sagenhafte Nacht mit dir ohne dich.#Am Schluss beobachtet der Held seine Mutter beim Sterben, die Schreibkrise ist beendet.#"Sie [die Mutter] lag halb aufgerichtet in ihrem Bett und schlief. Ihr schönes Gesicht war verändert, als türme sich in ihrem Innern ein Berg von Trauer und Einsamkeit auf, der ein zweites Gesicht hervorbrachte. Sie ging an einen anderen Ort, doch auf der Reise dorthin musste sie sich selbst zurücklassen." (141)#Von solchen noch nie erzählten Anschauungen angeregt, treibt man als Leser von einem Absatz zum andern, wird vom Plot gefesselt und hat dennoch jede Menge Zeit, sich auf das Abenteuer Wolfgang Hermann einzulassen. Er erzählt nämlich etwas, was wir zu wissen glauben so umgedreht, dass wir unsere alte Sicht verlassen und der Zauberformel vertrauen: Mit dir ohne dich!#Helmuth Schönauer</marc:subfield>
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