Fortuna
| Bezeichnung | Wert |
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| Titel |
Fortuna
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| Untertitel |
aus dem Magazin des Glücks
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| Verfasserangabe |
Franz Schuh
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| Medienart | |
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| Person | |
| Verlag | |
| Ort |
Wien
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| Jahr | |
| Umfang |
250 S.
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| ISBN13 |
978-3-552-05820-0
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| Schlagwort | |
| Annotation |
Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); #Autor: Fritz Popp; #Das Glück im Unglück und anderswo - eine unsystematische Philosophie. (PI)#Eine simplifizierende Anleitung zum Glücklichsein ist natürlich nicht vom Philosophen Schuh zu erwarten, auch nicht eine billige Abrechnung mit den verschiedenen Glücksbestrebungen und Glücksversprechungen. Vielmehr bietet der Band vielfältige Annäherungen an das Thema. Zum einen formal, denn vom Gedicht über die anekdotische Erzählung bis zur essayistischen Auseinandersetzung findet sich ein Vielerlei an Textformen. Und inhaltlich: Vom philosophischen Diskurs bis zur "Binsenweisheit", vom Denkgebäude bis zum Gemeindebau ist es oft nicht weit. Das erlebte und überlebte Unglück ist häufig Ausgang von und Zugang für Überlegungen, die bestimmt sind von Lebenswillen, Lebenslust, ja Wille zum Exzess, auch mit dem Wissen von möglichen "Nebenwirkungen".#Es ist ein ungezähmtes, aber nicht kompromissloses, forciert einseitiges Denken, das die Texte auszeichnet. Oft berührend, etwa wenn es um die Krankheit der Mutter und eigene Krankheits- und Krankenhauserfahrungen geht, mit einem sehr intensiven Blick auf unangenehme körperliche Erfahrungen. Zwischen religiösen und atheistischen Behauptungen argumentiert Schuh humanistisch, frech, charmant und manchmal auch sentimental. Philosophie wird hier auch zu einer Art "Pannendienst" zwischen Selbstüberforderung und Selbstverblödung, zu einem Korrektiv zu den Illusionen der Glücksproduktion und -versprechen.#Nutzbringend und unterhaltsam auf hohem Niveau. Eine Entdeckung: der Lyriker Franz Schuh.## ---- #Quelle: Literatur und Kritik; #Autor: Franz Haas; #Was für ein Glück!#»Fortuna« von Franz Schuh#ranz Schuhs neuer Band Fortuna handelt vom Glück. Schon in der Vergangenheit haben den Autor die großen Themen nicht abgeschreckt (für »die Liebe, die Kunst und den Tod« siehe beispielsweise Der Krückenkaktus, 2011), Glück allerdings ist eine besonders schwierige, da ungreifbare Materie: vielgestaltig, persönlich, flüchtig. Und auch, wenn Schuh in seinem Band eine ganze Reihe von Glücksmomenten ausfindig macht die Gemeindewohnung, das Krügerl im Sommer, die Falsifikation (als das Glück der Wissenschaft) , eine verbindliche Definition gibt es nicht.#Schuh greift zu anderen Mitteln, und seine Methode dabei ist wasserdicht: Er schreibe, meint er, »intuitiv, also ohne Beweise«. Das überzeugt, wo es stimmt, stimmt aber natürlich nur bedingt: Die Beweise liefern bewährtermaßen Philosophie und Literatur, ebenso Privatvarianten von Soziologie und Sozialpsychologie, nicht zu vergessen natürlich auch die Quasi-Autobiographie.#Er reiht Essays und Lyrik aneinander, Prosaminiaturen, Anekdoten, bedächtige Draufsicht und große Komik. In all dem wird das Glück umkreist, aus Indizien und nicht selten aus dem Gegenteil erschlossen. Aus der Mehrdeutigkeit des Begriffs schlägt Schuh sein Kapital: Er nimmt ihn und schleift aus ihm eine Linse, durch die er das menschliche Leben in seinen unterschiedlichsten Partien in den Blick bekommt, inklusive der darin befindlichen Möglichkeiten zum Glück und, natürlich, immer auch zum Unglück.#In der Exposition des Bandes erklärt er dieses Vorhaben. Er weist auf die philosophischen Leerstellen zum Thema hin: einerseits Kants Ignoranz, der Glück wohl für etwas hielt, worüber sich nicht vernünftig nachzudenken lohnte, andererseits Schopenhauers bescheidene Einsicht, dass Ent-Täuschung und Lebensabkehr der Sache noch am nächsten kämen. Schuh selbst hält da sofort dagegen: Es folgt ein Gedicht, Schopenhauer am Inn, und darin sitzt Schuhs lyrisches Alter Ego am Fluss, eine Reclamausgabe der Welt als Wille und Vorstellung in der Hand und freut sich, der Philosophie zum Trotz: am Naturschönen, am Schnee und der Geometrie im Flug der Schwäne. Für den Moment kann da die existenzielle Besorgtheit Schopenhauers (aber auch Stifters, Bachmanns) nichts ausrichten: »hier und jetzt / Wärs momentan egal.« Hier und jetzt, wohlgemerkt dauerhaft ist das Glück nicht zu haben (und insofern ist etwa »der Mensch« »Demenz« keineswegs ein unreiner Reim).#Auf seiner Forschungsreise widmet sich Franz Schuh der Hoffnung, dem sozialen Wohnbau, der Krankheit, Gott und Udo Jürgens, der geglückten dörflichen Zweisamkeit von Wirtshaus und Kirche, setzt er dem Blödsinn von der Goldenen Mitte die Menschenmöglichkeit und -notwendigkeit des Exzesses entgegen, erklärt er listig unsere Irrtümer zum Treibstoff des Lebens, macht er aus der Eitelkeit eine Existenzbedingung und zugleich eine Erkenntnistheorie: »Das ist Erkenntnistheorie. Ohne mich: nichts! Und da soll man nicht selbstbezogen reagieren.«#Das Glück, wie man ihm im Laufe dieser Lektüren begegnet, ist wie gesagt nicht das Glück. Stattdessen findet Schuh Glück als ein bloß verhältnismäßiges, ein Glück im Rahmen des Möglichen (allerdings: wo sonst?). In der Handvoll hier angeführter Glücksmöglichkeiten findet sich natürlich auch: die Kunst. Glück steckt vielleicht nicht ohne Weiteres in der Kunst selbst das Ideal vom Virtuosen beispielsweise wird von Schuh abserviert, dass man nur so schaut , dafür aber macht uns das Betrachten von Kunst aufmerksam auf das Glück des Betrachtens überhaupt: Es ist ein Glück, zu sehen, was es zu sehen gibt, und zu sehen, dass man es sieht (im Fall eines Gemäldes Lucien Freuds beispielsweise, so Schuh, ein Waschbecken).#Der betreffende Text handelt, grob gesagt, vom Verhältnis von Sinn und Sinnlichkeit, und unter anderem davon, dass sie im Glücksfall der Kunst zusammentreffen können. Dafür liefert der Text nicht nur die Belege, er ist gewissermaßen selbst einer. Was Schuhs Texte nämlich ausmacht, ist zum einen natürlich ein Kenntnisreichtum, in alle Richtungen ausufernd und ausgestellt in den Gesten eines legeren, aber zielsicheren Griffs etwa ins Bücherregal oder in die Populärkultur; zugleich aber sind es bestimmte ästhetische Merkmale: eine spezifische Mischung aus Vehemenz und Ironie wäre da zu nennen, nicht zuletzt aber eine geradezu euphorisierende Rasanz.#Zur Illustration: Der genannte Text zu Sinn und Sinnlichkeit (der mit dem Waschbecken) beginnt bei Rousseau und dessen Abwertung des abstrakten Denkens zugunsten der bloßen Wahrnehmung (hat sich doch noch nie einer getäuscht, der nur geschaut hat!), geht weiter zu einem dementsprechenden Aphorismus Condillacs, zu einem anderen Starobinskis, zur Feststellung, dass Rousseau spinnt, und zu Goethes Mephisto, der ganz auf Rousseaus Linie ist. Kurz durchatmen. Nach einem Seitenblick auf Taschners Urteil bezüglich der Finanzmathematiker, die den Abstraktionsgrad ihres Handwerks für ihre diversen Schuftigkeiten nutzen, geht es weiter zur Blamage eines anonymen Rechenbeispielautors beim Versuch, seine Aufgaben anschaulich zu formulieren, dann zur Anmerkung von Seiten der Kritischen Theorie, dass das Unterfangen, aus Denkbarem Wahrnehmbares zu machen, Ideologie genannt werde. Es folgt die resignierte Einsicht, dass man wohl wissenschaftlich denken, aber nicht leben kann, und der Verdacht, es gebe da einen horror vacui, der aus dem abstrakten Denken erwächst, der unter anderem auch zum komischen Graus einer arischen, d.h. abstraktionsfernen Mathematik geführt hat. Wir befinden uns auf Seite fünf, und so geht es noch einmal fünfzehn Seiten weiter (und endet übrigens mit einer enthusiastischen Clemens-Setz-Lektüre).#Man sieht: Das ästhetische Äquivalent zu Schuhs Argumentationsverläufen ist die Achterbahnfahrt bloß dass man dort immer im Kreis fährt, bei Schuh hingegen, sagen wir es pathetisch, immer weiter oben aussteigt als man eingestiegen ist (und vielleicht erst beim zweiten Mal Lesen genau weiß, wie man dorthin gekommen ist).#Im Lesen, in der Literatur steckt ein nicht geringes Glückspotenzial, heißt es. Ein weiterer Text des Bandes bestärkt diesen Befund noch einmal: Das Gedicht Textilie beschwört die utopische Kraft von Literatur, so restlos überzeugend, dass es hier abschließend ungekürzt wiedergegeben werden soll.#Textilie#Mein Pullover hat Löcher#mein Pullover hat Flecken#Könnte man die Löcher#in die Flecken stecken#oder die Flecken#in die Löcher stecken#dann wär eh alles in Ordnung.## ---- #Quelle: Pool Feuilleton; #Oft hilft ein Piktogramm, damit man sich etwas Abstraktes vorstellen kann. Im Falle der Fortuna steht eine Frau mit dem Rücken zum Zuschauer an einer laternenpfahlähnlichen blauen Säule und ist mit dem rechten Träger des Badeanzugs an einen Strich aus Sommer angekettet.#Franz Schuh erzählt ähnlich wie das Cover auf seinem "Magazin des Glücks", überschaubar, reduziert, weiträumig und logisch. Man liest die längste Zeit und merkt gar nicht, dass man schweres philosophisches Gelände bewältigt hat. Seine Gedankengänge führt er oft als Unterflurtrasse durch seine eigene Textlandschaft, die beschwingt wie ein Erlebnisroman über den Fährnissen des Erzählers angelegt sind.#Grob vereinfacht sind über vierzig Texte, Elegien, Essays und Ausflüge in die Lektüre mit zwei lyrischen Inn-Sequenzen in das Buch gekeilt. Einmal sitzt das lyrische Ich als Schopenhauer am Inn und macht eine schöne Selbstanwendung: "Wenn ein Schmerz mich quält, / interpretiere ich ihn, / damit er weniger wehtut." (23) Zum anderen gibt es als Abspann ein "Stillleben am Inn". "Meine Augen / weichen aus, / ich sehe vor mich hin / ins eisige Wasser." (250) Der Inn als Begleiter eines Glücksbuches, das hat es wohl noch nie gegeben!#Der Titel bahnt sich allmählich an, denn immer wieder zeigen Überlebenskünste aus dem Gemeindebau oder aus dem Spital, dass es durchaus so etwas wie Glück gibt, wenn man das Leben derpackt. Vieles an Angriffen lässt sich auch abwehren, wenn man vorbereitet ist. So begegnet der Ich-Patient Ärzten konsequent mit der Formel "bewegen und abnehmen", worauf die Ärzte krank sind, weil sie mit so einer Begrüßung nicht gerechnet haben.#Ein Großteil der Erzählung spielt in anderen Büchern, deren Lektüre oft schon lange zurückliegt, deren Kraftsätze aber punktgenau wieder als Erinnerung auftauchen, wenn man sich in der Erinnerung treiben lässt. Das Magazin des Glücks ist eine Formulierung, die auf Ödön von Horvath zurückgeht und die Jagd nach Glück konterkariert. Alexander Kluge, der Meister der eiskalten Analyse, hat daraus den Merksatz formuliert: "Die Glückssuche, die uns Menschen gemeinsam ist, funktioniert noch in der bittersten Not, und sie steckt im schwarzen Witz, der auf die Tragödien antwortet." (179)#Nach diesem Motto und gepaart mit der Todesleichtigkeit des Wiener Dialektes sind immer wieder Glückserlebnisse eingestreut, etwa wenn ein Kanal besonders riecht oder wenn das Essen im Spital besonders gut ist, obwohl sich die Verdauung vertschüsst hat. Eine rote Fahne hängt aus dem Gemeindebau wie die Zunge aus einer Kuh, bei Herzinfarkt bleibt der Railjet auch in Attnang-Puchheim stehen, die Anekdote gilt als sicheres Zeichen von Zerfall.#Gerade dieser Mix aus epochaler Philosophie und ungebremster Anwendung des Alltags macht den Franz Schuh zu einem Glücksfall der Lektüre. Man liest sich durch die schwierigsten Denkaufgaben wie durch Butter, weil der Leseschwung so groß ist!#Helmuth Schönauer
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