Die Klosterschule

Bezeichnung Wert
Titel
Die Klosterschule
Untertitel
Roman
Verfasserangabe
Frischmuth, Barbara
Medienart
Sprache
Person
Verlag
Ort
Salzburg
Jahr
ISBN10
3-7017-1375-8
ISBN13
978-3-7017-1375-2
Schlagwort
Annotation
Man schrieb das Jahr 1968, als Barbara Frischmuth, nach mehreren Gedicht- und Prosaveröffentlichungen und nach einer erfolgreichen Lesung in der Gruppe 47, mit ihrem ersten Buch, der Erzählung "Die Klosterschule", an die Öffentlichkeit trat. Sie tat es ganz im Zeichen der Sprachskepsis, die auf dem in Österreich tradierten Wissen um die Beschränktheit der Sprache basierte und in dieser Zeit mit der Frage nach einer Möglichkeit der künstlerischen Authentizität einherging. Dieser erste Erzählband Barbara Frischmuths schildert in 14 Prosaskizzen, ohne eine durchgehend konstruierte Handlung, den Alltag einer hermetisch abgeschlossenen Welt, einer katholischen Internatsschule für weibliche Zöglinge, die von Nonnen geleitet wird. Persönlich Erlebtes wurde so zu Papier gebracht, längst Vergessenes neu recherchiert. Die Kritik an diesem Erziehungssystem fängt mit dem "frauenverachtenden" Satz des Augustinermönchs Abraham a Santa Clara an - "Eine rechte Jungfrau soll sein und muss sein wie eine Spitalsuppe, die hat nicht viele Augen, also soll sie auch wenig umgaffen", der dem Buch als Motto vorangestellt wurde. Barbara Frischmuth entlarvt diese Welt über ihre Sprache, deren präzise und plastische Wiedergabe weder die Leere, noch die Manipulierbarkeit der gebrauchten Formeln verklärt. Bibelzitate, Gebetsformel, religiöse Sentenzen, Sätze aus dem Katechismus, der Liturgie - eine Art "Klosterjargon" - werden benutzt, sehr oft in ungewöhnlichem Kontext. Relativ unpersönlich erscheint der Text nur an den Stellen, wo er vom Sprachmaterial der Mädchen getrennt steht: Wenn er mit der Sprache der Schülerinnen konfrontiert wird, sogar montagemäßig zusammengefügt, gewinnt die Ironie die Oberhand, die z.B. durch das scheinbar vorurteilslose Repetieren der vermittelten Inhalte entsteht. Die Sätze kommen also ausreichend gekrümmt daher. Es sind ordentliche, unterwürfige Sätze, die sich auf masochistische Weise zu eigen gemacht haben, dass ihnen alles Eigen ausgetrieben wurde. Den Mädchen bleiben nur zwei Wege offen: entweder brechen sie aus oder fügen sich in das System. Auch wenn das letztere geschieht, flüchten sie regelmäßig in ihre Phantasiewelt, die im Weitererzählen selbst ausgedachten oder gelesenen Geschichten präsentiert. Barbara Frischmuth gelang es in ihrer Erzählung, poetisch zu schildern, wie Kinder zu Kreaturen geformt werden, wie ihnen jegliche Kreativität und Individualität ausgetrieben wird, wie die Verkrüppelung stattfindet. Trotz der beschriebenen negativen Inhalte ist es ein lesenswertes Buch geworden, das eine ausdruckvolle Sprache kennzeichnet und in dem Humanität und Liebe triumphieren.
Übersetzung
Deutsch
Trägermedium
Band