Arbeiterbücherei Wasenbruck – Zweigstelle Stadtbücherei Mannersdorf
Kontakt und Öffnungszeiten Mit einer PartnerbibliothekSprache der Krähen
| Bezeichnung | Wert |
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| Titel |
Sprache der Krähen
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| Untertitel |
Roman
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| Verfasserangabe |
Georg Elterlein
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| Medienart | |
| Sprache | |
| Person | |
| Verlag | |
| Ort |
Wien
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| Jahr | |
| Umfang |
245 S.
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| ISBN13 |
978-3-7117-2039-9
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| Annotation |
Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); #Autor: Michael Wildauer; #Eine Sprache für alle und eine nur für die Familie - ein Berufsverbrecher wird plötzlich Vater. (DR)#Leonard Steiner war Söldner, hat gemordet, jetzt verdient er sein Geld als Schmied und Auftragseinbrecher. Er macht aber nur kleine Diebstähle, da er alleine arbeiten möchte. Da klingelt eines Tages die Polizei an der Haustüre. Sein Bruder, den er seit Jahren nicht mehr gesehen hat, ist mit seiner Frau bei einem Autounfall ums Leben gekommen, Leonard ist der einzige Verwandte des Kindes der beiden. Also muss der Onkel sich um seinen zehnjährigen Neffen Erik kümmern, erst widerwillig, dann immer liebevoller. Der Junge kann seit dem Unfall nicht sprechen, aber die beiden verstehen sich auf Anhieb. Doch da sind auch Auftraggeber, die Leonard mit dem Leben des Buben erpressen. Wie kann er mit dieser Situation umgehen?#Wer sich an "Léon - Der Profi" erinnert, den Film, in dem der Auftragsmörder (Jean Reno) mit der zwölfjährigen Mathilda (Natalie Portman) seinen größten Kampf zu kämpfen hatte, dem wird die Geschichte ein wenig bekannt vorkommen. Sie hat aber denselben Reiz: Der Wandel eines Bösewichts in einen biederen Familienmenschen. Rundherum Gewalt, Sex, unbekannte Drahtzieher und Rückblenden in eine bewegte Vergangenheit. Leserherz, was willst du mehr? Ein gut geschriebener, inhaltsreicher Roman.## ---- #Quelle: Literatur und Kritik; #Autor: Doris Pany; #Achtung, einsamer Wolf!#Georg Elterleins Roman »Sprache der Krähen«#Zuweilen schlägt man einen Roman auf und findet sich in einem Dickicht von Klischees wieder: Man begegnet beispielsweise einem einsamen Wolf mit dunkler Vergangenheit, wird Zeuge von grausamen Vergeltungsakten, bei denen abgeschnittene Geschlechtsteile als Knebel dienen, trifft auf eine sehr sehr gütige und eine sehr dämonische Frau, wird in rasante Autoverfolgungsjagden verstrickt und stößt ständig auf Kraftfahrzeuge, in denen ein bulliger Kahlkopf und ein adlernasiger Hagerer lauern. In solchen Fällen legt man das Buch entweder zur Seite und bedauert den Verlust der bereits investierten Lebenszeit oder man lässt das Genrehafte zu seinem Recht kommen und sich mit gutmütiger Bereitwilligkeit in den Sog der Geschichte hineingleiten. Georg Elterleins zweiter Roman Sprache der Krähen lädt unweigerlich zu Letzterem ein.#Der 1961 in Wien geborene Elterlein erzählt eine einfache, aber doch nicht unambitionierte Geschichte: Der Protagonist, Leonhard Steiner, führt eine Doppelexistenz. Am Tag fertigt er als eigenbrötlerischer Schmied harmlose Gasthausschilder und Grabkreuze, nächtens verdingt er sich als professioneller Einbrecher, der über eine Hehlerin (die dämonische Frau der Geschichte) an lukrative Aufträge kommt. In einer Reihe von Rückblenden wird uns Leonhards kriminelle Karriere als Konsequenz einer schwer verpfuschten Kindheit präsentiert: häusliche Gewalt, Verlust der Eltern, Misshandlung und sexueller Missbrauch im Jugendheim. Einziger Lichtblick in diesem finster trostlosen Heranwachsendenleben ist Leonhards kleiner Bruder Max, den der fauststarke Ältere beschützt und liebevoll begleitet, bis eines Tages das Schicksal die Brüder für immer auseinanderreißt.#Die Romanhandlung setzt in dem Moment ein, in dem die Polizei Leonhard die Nachricht vom Tod seines mittlerweile verheirateten jüngeren Bruders überbringt. Bei einem Verkehrsunfall verunglückt, hinterlässt Max einen zehnjährigen Sohn. Der Kleine liegt im Krankenhaus, er hat nach dem Unfall seine Fähigkeit zu sprechen verloren. Außer Leonhard gibt es keine Angehörigen mehr, die sich um ihn kümmern könnten. Als einer, der auf der dunklen Seite des Lebens steht, seit Unzeiten keine Frau mehr geliebt hat und außer seinem türkischen Nachbarn niemanden seinen Freund nennt, kann Leonhard zwar alles, nur kein Kind gebrauchen. Dennoch bringt er es nicht übers Herz, den Neffen den Institutionen der Jugendwohlfahrt zu überlassen. Er besucht den schwer traumatisierten Buben auf der Kinderstation, die beiden lernen einander kennen, und der Neffe fasst allmählich Vertrauen zu seinem Onkel. Mit Leonhards Hilfe gelingt es dem Kleinen, seine Aphasie zu überwinden ein Prozess, in dem die titelgebenden Krähen eine zentrale Rolle spielen. Mit der wachsenden Verantwortung für seinen Neffen werden Leonhard seine kriminellen Verstrickungen immer mehr zur Last. Er hegt Ausstiegsgedanken, doch die Unterwelt will ihn nicht aus ihren Fängen lassen. Die Situation spitzt sich noch einmal gefährlich zu, ehe Leonhard einen drastischen Befreiungsschlag führt und die Geschichte ihr tröstliches Ende findet.#Mit Sprache der Krähen legt der gelernte Toningenieur Elterlein eine erzähltechnisch geschickt montierte Mischung aus Kriminalroman und Buddy-Geschichte vor. Was die (literarischen) Vorbilder für den Roman betrifft, so lenkt Elterlein unseren Blick energisch nach Frankreich: Er gibt seiner Hauptfigur eine französische Vergangenheit (als Korporal der Fremdenlegion und als Mitglied eines berüchtigten französischen Gangstertrios), lässt ihn in Stunden des Zweifelns große Mengen Pastis trinken und ein Haus auf der Île de Ré besitzen. Am augenfälligsten ist der Bezug zum Neunziger-Jahre-Kultfilm Léon, der Profi (1994) von Luc Besson. Dort sieht sich der Auftragsmörder und wort-#karge Namensvetter von Elterleins Protagonisten plötzlich gezwungen, das zwölfjährige Waisenmädchen Mathilda in seine Obhut zu nehmen. Freilich setzt Elterlein andere Akzente als Besson, doch er nutzt die im Film vorgebildete Engführung von Verbrecher- und Kinderwelt, um über die Standardkonstellation des Kriminalgenres hinauszugelangen und die Handlungsentwicklung in Gang zu setzen. Er nimmt das Aufeinandertreffen des Gegensätzlichen zum Anlass für ein prononciertes Spiel mit Licht und Schatten und kreiert dabei eine zuweilen überdeutliche Symbolik. So ist etwa das Feuer in der Esse ein zentrales Motiv des Romans. Das beunruhigende Lodern der Flammen kündigt immer wieder dramatische Wendungen an und versinnbildlicht die verzehrende Energie verdrängten Leids. Doch der Schmied mit dem sprechenden Namen Leonhard Steiner er darf löwenhaften Mut und ein versteinertes Herz sein Eigen nennen weiß sich das Feuer zu unterwerfen und es mit Hammer und Amboss in eine produktive Kraft umzuwandeln. Als Gegenpol zum nächtlichen Feuer setzt Elterlein das Luft-Element und den ewigen Traum vom Fliegen, den der kleine Neffe mit kindlicher Kompromisslosigkeit träumt und dem Leonhard mit Wehmut hinterherblickt. Der Wunsch zu fliegen begegnet uns in der Begeisterung des Buben für Flugzeuge, Flugsimulatoren und vor allem für Krähen, die aufgrund ihrer furchtlosen Nähe zum Menschen und ihrem Leben im Schwarm zum Symbol für Freiheit, Fürsorge und Familiensinn werden.#Insgesamt vollzieht sich die Handlung in einer rauen Männerwelt, deren Bewohner weder Kampf noch Tod scheuen und alle Verletzungen und Verlorenheitsgefühle fest unter einem eisigen Gefühlspanzer verborgen halten. Leider kommt Elterlein nicht ohne befremdliche Phrasen und zuweilen recht ungelenkes Pathos aus. Dabei geht es sprachlich mitunter hart an die Schmerzgrenze, wenn es etwa heißt: »Auch wenn er die beiden Wichser auf der Stelle töten wollte, musste er einen kühlen Kopf bewahren.« Erspart hätte man sich auch gerne Zärtlichkeit als ein »Gefühl, das er tot geglaubt hatte«, oder Erinnerungen, die sich »durch den Stahl fräsen«.#Sprache der Krähen ist kein Roman der feinen Schattierungen. Alles kommt direkt und mit eindeutiger Geste daher. Der Modus des Subtilen, bloß Angedeuteten interessiert Elterlein nicht. Was ihn interessiert, ist ein geradliniges Erzählen und das Transportieren von Inhalten, deren traurige Relevanz unbestritten ist. Schon in seinem ersten Roman Der Hungerkünstler (2009) ging es um familiäre Zerrüttung, psychisches Leid, Suizid und die Frage, welche Auswege es für den Einzelnen aus solchen Verstrickungen geben kann. Man ist daher bereit, Elterlein seinen wenig geschliffenen Umgang mit Sprache und der literarischen Tradition nachzusehen, ebenso wie seinen Drang, gleich alle möglichen lebensweltlichen und sozialen Problemlagen anzugehen: Gewalt in der Familie, soziale Ghettoisierung, Exklusion und Missstände in Kinder- bzw. Jugendheimen. Denn wer mag in Zeiten wie diesen nicht gern von einem hartgesottenen Kriminellen lesen, den ein verletzlicher Bub wieder ins Leben zurückholt. Oder von einem türkischen Nachbarn mit florierender Autospenglerei und riesengroßem Herzen, der stolz darauf ist, dass seine Freundin bei den Blauhelmen im Kosovo Dienst tut und Männern Befehle gibt. Sprache der Krähen ist eine Geschichte über Verletztheit und Resilienz. Sie ist spannend erzählt und tröstlich. Und manchmal ist das auch schon genug.
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