Öffentliche Bibliothek der Gemeinde Kalsdorf bei Graz

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N.

Bezeichnung Wert
Titel
N.
Untertitel
eine kleine Utopie
Verfasserangabe
Stadler, Clarissa
Medienart
Sprache
Person
Verlag
Ort
Graz
Jahr
Umfang
99 S.
ISBN10
3-85420-678-X
ISBN13
978-3-85420-678-1
Annotation
N., der auf (s)einen Anfangsbuchstaben verkürzte Protagonist, ein aus der jüngeren österreichischen und deutschen Literatur vertrauter Flaneur, stolpert in Clarissa Stadlers Debüt durch sein Leben und seine Umgebung: "Man muss den Schlendrian der Stadt zu seinem eigenen machen, denkt N., und dass sich keine Stadt besser dazu eignet als diese." Eine vage bleibende Stadt im Wandel der Jahreszeiten, die anhand von Details als ein verzerrtes Spiegelbild Wiens erkennbar bleibt, gibt die Kulisse für die Beschreibung einer Realität, die sich dem Konzept der Wiederholung verschrieben hat. Ausgestattet mit dem gleichermaßen decodierenden wie müden Blick des angeödeten Touristen treibt N. von Party zu Party, wird durch angesagte Ausstellungen und Szene-Lokale bugsiert. Diskurse des Sehens, zwischen den Polen des Antonioni-Klassikers "Blow-up" und dem Räsonieren über die Medienwelt angesiedelt, bestimmen die Gedankengänge des Protagonisten. Sein nicht unsympathisches Stolpern ist der Bewegung und der Ruhelosigkeit verpflichtet, vor allem auch, um der eigenen Unentschlossenheit etwas Romantisches oder auch Leidenschaftliches zu geben. Der Wunsch nach Authentizität bzw. die Wahrheit an sich sind Konstanten des Textes, besonders auch dahingehend, wie sich diese beiden Optionen dem Zugriff der Figuren entziehen. Nichts scheint fixiert werden zu können (oder auch: zu wollen), eher noch entscheidet man sich wider besseres Wissen und Fühlen für ein Leben im Aufschub. Die Fremdheit und Verstörung, die mit einem abgeschauten Stil inszenierte Langeweile, führen bei N. zu einem autodestruktiv gefärbten "Unbehagen", zu einem Reden und Denken von erwünschten Revolutionen. Anders als bei ihm bleibt es bei Xenia, der in sein Leben tretenden Frauenfigur, nicht beim Reden. Da bleibt es auch nicht bei den Gesten des Überlegenen, den eigentlich hilflosen Aktionen eines von der Welt Enttäuschten und Verletzten: Die Autorin lässt hier die dichte Schilderung einer umfassenden Fremdheit - die selbst die intimsten Räume ausfüllt - in eine verstörende Terrorismus-Geschichte kippen. Die ewig über der Stadt kreisenden Hubschrauber wirken plötzlich wie die mechanischen Vorboten einer zu erwartenden Aktion, die Utopie wird zur Dystopie verschoben. In manchen Abschnitten erinnert Stadlers Prosa hier an Arbeiten von Xaver Bayer ("Die Alaskastrasse") oder Frédéric Beigbeder ("Windows on the world"), die sich einer - nur teilweise eingelösten - (Un)Logik des lebensnahen Erzählens verschrieben hat: "Wie erzählt man sein Leben in einem logischen Bogen, wenn es in Wahrheit aussieht wie ein nervöses EKG?". Trotzdem erweist sich die Autorin in ihrer Schilderung einer Geschichte (abgelehnter) kultureller Erbschaften als gute Beobachterin eines desolaten Zustandes des Sozietären. Dass sie sich mit ihrem Figureninventar für die gelegentlich auch reaktionär wirkenden Betroffenen (und damit auch für die ersten möglichen Opfer der erhofften Revolution) entschieden hat, mag diskutierbar sein; Stadlers gelungene Schilderung eines Verharrens in Entschlusslosigkeit, Konfliktscheue, Meinungs- und Risikoarmut macht aber doch sehr deutlich, wie genau N. und Co. um die Optionen und Mittel zur Veränderung - vielleicht auch zur Verbesserung - der eigenen Lage wissen, ohne diese in ihrer Lähmung umsetzen zu können: "Wenn alles geht, geht nichts." *BS* Thomas Ballhausen
BEMERKUNG
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Übersetzung
Deutsch
Trägermedium
Band