Wir ohne Wal
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| Titel |
Wir ohne Wal
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| Untertitel |
Roman
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| Verfasserangabe |
Birgit Birnbacher
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| Medienart | |
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| Person | |
| Verlag | |
| Ort |
Salzburg ; Wien
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| Jahr | |
| Umfang |
165 S.
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| ISBN13 |
978-3-99027-089-9
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| Schlagwort | |
| Annotation |
Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); #Autor: Katharina Ferner; #Einen Platz in der Gesellschaft finden, ohne sich selbst zu verlieren. (DR)#Es sind Geschichten von jungen Menschen, deren Wege sich ab und zu kreuzen, was unvermeidlich ist in der Kleinstadt, in der sie wohnen. Sie suchen nach Halt, Freundschaft oder einfach nach der nächsten Party, dem nächsten Trip. Das Leben jedoch bietet einige Herausforderungen: Allein in einer Wohnung zu sein und den Tag zu meistern, wenn schon das Aufstehen Überwindung kostet. High ein Verbrechen zu begehen und dafür geradestehen zu müssen. Zusehen wie eine Frau von der Brücke springt. Manch eine wandert aus und beginnt ein neues Leben. Die Daheimgebliebenen treffen sich auch nach Jahren noch an denselben Orten wie zuvor, essen eine Kleinigkeit bei Erkan und spazieren durch die Bergstraße. Die Figuren behaupten sich, auch wenn es ihnen die Umstände nicht immer leicht machen.#Ein melancholisches Buch über das Erwachsenwerden, die Trübheit einer Kleinstadt und ein bisschen auch darüber, wie man dieser entkommen kann.## ---- #Quelle: Literatur und Kritik; #Autor: Helmut Gollner; #Jung und taumelnd#Zu Birgit Birnbachers Romandebut »Wir ohne Wal«#Das ist der erste Roman der Salzburgerin Birgit Birnbacher. Sie wurde bereits mit Preisen verwöhnt (der ertragreichste der Jürgen-Ponto-Preis mit 15.000 Euro), Pressestimmen nennen das Buch »Debüt des Jahres« und bescheinigen ihm »sagenhaften Rhythmus und ganz eigenständigen Ton«. Der Roman ist eine Sozialrevue der Generation zwischen 20 und 30, in 10 intensiven Fallbeobachtungen, in der Ich-Form des jeweiligen Protagonisten, ganz so, wie auch Sandra Gugic in ihrem famosen Erstling Astronauten das betrieben hat.#Als ein immens literarisches Qualitätsrezept hat sich bei den jungen österreichischen Autorinnen eine Erzählweise erwiesen, die programmatisch auf jede Kommentierung des Dargestellten verzichtet. Das ist nicht neu, aber bei den Jungen auffallend konsequent. Und bei Birnbacher ein bewusstes Schreibverhalten (Interview). Wenn die Autorin das Schweigen richtig betreibt, werden die erzählten Situationen selbst beredt; man kann, was ist, so beschreiben, dass klar wird, wie es ist. Die Phänomene sind da, auch ohne durch unsere Einsichten beglaubigt zu werden. Ein phänomenalistisches Schreiben (also eines, das sich mit der Schilderung der Phänomene begnügt) hat prinzipiell große literarische Vorteile:#Die Dinge werden nicht geschmälert, entschärft oder erledigt durch unser Bedürfnis, sie durch Urteile/Erkenntnisse zu Verständlichkeit zu domestizieren; sie bleiben größer als der Schreiber, unerledigt; wuchtig oder wunderbar sowieso, wuchtiger oder wunderbarer, als es Erklärungen je sein können. Und trotzdem oder gerade deswegen ist Birnbachers Roman ein ausgesprochen sozialrelevantes Buch.#Die Dinge unerledigt: die Enden also alle offen, auch hin zu einem möglichen Happyend; ein Ende im Sinne einer Lösung oder zur Pointierung einer Weltsicht wirkt da vergleichsweise wie eine gewaltsame Indienstnahme der verhandelten Dinge.#Der Literatur steht es an und für sich gut an, Sein zu vermitteln statt Meinen, zu gestalten statt zu erklären.#(Das Schöne ist, dass die Autorin kein Programm daraus macht wie der Rezensent.)#Ein Generationspanorama der Twentysomethings, zumindest jenes Teils, der orientierungs- und motivationsarm durch das Jungsein taumelt; was ihnen widerfährt oder was sie tun, ohne von sich genügend zu wissen, beschert ihnen dann einen harten Aufprall in der eigenen Existenz, d.h. sehr oft in der Katastrophe ihrer Existenz. (Aber auch die Katastrophe ist bei Birnbacher selten eine endgültige Behauptung, sie hat keine Scheu davor, auch Hoffnung zu lassen.) Bewusstseinsprotokolle der Desintegration, also des Verlusts der gesellschaftlichen Zugehörigkeit, des Verlusts eines haltbaren Sinns. Die Protagonisten wirken aus der Welt gefallen; das Buch ist nicht eine Analyse der Gründe, sondern eine sensible Beobachtung der Erscheinungsformen.#Marko: »Ich spüre nichts, und ich habe nichts vor.« Er hat eine Tankstelle überfallen und kann die Fragen des Richters nicht beantworten, »weil ich eigentlich keine Ahnung habe, weswegen ich hier bin, also, so wirklich.«#Nora geht auf Nacktpartys, weiß auch nicht, warum. »Ich glühe, mir ist heiß, ich lege den Kopf in den Nacken und blase den Rauch aus, ich schlucke Tränen [], will mich trösten lassen, weiß nicht, wie mir geschehen ist und warum es wehtut.«#B., nach einem Brandunfall, liegt im Spital. »Aber dann weiß ich nicht, was aushalten eigentlich heißt. Ob es heißt, dass man hier liegt, ohne zu sterben. Nur, wohin sollte ich sterben? Weiter in mich zurück, als ich schon bin, kann ich nicht mehr.«#Sanela beschreibt ihre Paranoia: »Etwas Unbemerktes zwischen den Häusern, ein nie zur Sprache gebrachtes, ein Gedanke gewordenes Unwohlsein zwischen den Fenstern, das dir auf einmal, wie durch Zufall, seine Existenz aufdrängt. [] Das muss ein Kummerkörper sein, denke ich, ein Ersatz. Etwas ist entstanden, weil mir alles fehlt.«#Marika bedenkt ihr Integrationsproblem als Sprachproblem: Das Reden, auch mit Freunden, sei unbefriedigend, »als wollten wir den Sätzen nicht zugestehen, sich unser zu bemächtigen. Weil alle falsch waren. [] Den Sätzen gegenüber war ich kühl, das Unkommentierte war mir immer lieber« (klingt wie Birnbachers Schreibphilosophie), »[] dass ich das Benennen von Dingen für einen Irrtum halte.«#Eve sieht Männer auf der Straße, die mannsgroße Zellen aufstellen. »Ich habe keine Kraft, mich zu fragen, was das mit den Zellen soll. Wenn diese Stadt heute von Maschinen überrollt wird, werde ich mich nicht fürchten. Ich werde hier stehen und warten, ich werde nicht weggehen, beobachten, was geschieht, nicht froh, aber panisch auch nicht. Ein bisschen freuen werde ich mich schon, weil in einer brennenden Stadt kein Platz ist für meine Leere.« Die Zellen, stellt sich heraus, sind Frage-Automaten, Eve fragt nach der Gen-Verwandtschaft zwischen Mensch und Banane, drückt den Antwort-Knopf, steckt den Antwort-Zettel ein und geht: mit einer Antwort in der Tasche, die sie nicht liest, auf eine Frage, die lächerlich belanglos ist. Ohne Antworten hat man auch keine Fragen.#Sie leiden unter Verletzungen, auch Neurosen, deren Diagnose nicht Sache des Buches ist, haben Wünsche, die blind sind und daher ihr Ziel nicht finden, nicht konformiert werden können und daher im Elend enden. Die Autorin stellt die Tragik dar, empathisch zwar, aber ohne dem Dargestellten die Behauptung des Tragischen aufzusetzen und im Grunde auch ohne sich bei aller Sprachintensität in die innere Stimme dieser Bewusstseinsmonologe einzumischen. Freilich: die Autorin hat die Monologe geschrieben, aber durch Anempfindung bekommen sie eine Art Authentizität, die jedenfalls keine autobiographische ist. Die Realität draußen mutet dann manchmal fast absurd an, nicht, weil sie verzerrt, sondern weil sie genau beschrieben wird.#Birgit Birnbacher, Jahrgang 1985, stammt aus Schwarzach im Pongau, hat abgeschlossene Ausbildungen in Augenoptik, Behindertenpädagogik (Praktika in Äthiopien und Indien) und Soziologie. Sie arbeitet, inzwischen Mutter, als Soziologin in Salzburg.
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