Die Erde 2000

Bezeichnung Wert
Titel
Die Erde 2000
Untertitel
wohin sich die Menschheit entwickelt
Medienart
Verlag
Ort
Hamburg
Jahr
Umfang
148 S.
Schlagwort
Annotation
Nahezu wehrlos scheint der Planet den Bedrohungen der Moderne ausgeliefert. Der Kapitalismus als Fortschrittsmuster kann in dieser Situation kaum überzeugen. In seiner Einleitung verteidigt der Soziologe Ralf Dahrendorf das Projekt der Moderne nicht im Sinne einer Gesamtplanung, sondern dort, "wo wir etwas tun können, also im eigenen Lebensbereich". Die in diesem "Spiegel Spezial" kompakt zusammengestellten Themen sind uns längst bis zum Überdruß vertraut: Neuer Nationalismus, Islamischer Fundamentalismus, Wachstumswahn, Fortschritt um jeden Preis, Bevölkerungsexplosion, Armut in der Dritten Welt u.a.m. Gleichwohl sind die Fakten und Analysen der gegenwärtigen Situation immer wieder deprimierend. Einige seien in Erinnerung gerufen: In den letzten 40 Jahren hat sich die Weltbevölkerung mehr als verdoppelt (auf 5,5 Mia. Menschen); derzeit gibt es weltweit 30 bis 40 Mio. Flüchtlinge. Das Wissen der Menschheit, so schätzen Informatiker, verdoppelt sich alle fünf Jahre. Rund 600.000 Laborberichte, Doktorarbeiten und Fachartikel müßte ein Chemiker pro Jahr lesen, um in seinem Fach à jour zu bleiben. Knapp die Hälfte der Umweltbelastung kommt von den Industriestaaten mit ihren Kohlekraftwerken, Chemiekonzernen und ihren 450 Mio. Automobilen. Und trotzdem stolpern wir immer noch von einem Fortschritt in den nächsten. Die Journalisten Hans-Peter Martin und Harald Schumann bringen es auf den Punkt: das in Europa ersonnene Modell der Zivilisation ist für die Gestaltung der Zukunft nicht geeignet. Konstruktive Ansätze zur Bewältigung der Krise kommen etwa vom Politologen Bassam Tibi, dem die Kooperation mit dem liberalen Islam als Friedensdialog vorschwebt. Erhard Eppler hofft auf die Etablierung einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft durch Katastrophenlernen. Ein Vorschlag bezieht sich auf eine Öffnung der Parteien von unten als kleine Vision vom dritten Weg der Bürgergesellschaft, in der die starren Strukturen zugunsten einer "Bewegungsdemokratie", die sich auf Zivilcourage stützt, ersetzt werden. Bei einem der drängensten Probleme, der "B-Bombe" (Bevölkerungsexplosion) sind hoffnungsvolle Antworten nicht in Sicht. Bliebt die Überzeugung R. Dahrendorfs, der - sich auf Vàlav Havel beziehend - verlangt, "daß wir nicht durch Schweigen hinnehmen, was wir nicht ertragen wollen, selbst wenn unsere Worte es nicht sogleich verändern".